Reisebericht Radreise Altmühltal

Eine Herbst-Tour von Gunzenhausen nach Regensburg

von Ulrike Scholze

Nebel – so dicht, dass ich kaum 20 Meter weit schauen kann. Ein kurzer Blick auf die aktuelle Wettervorhersage verspricht Besserung ab Mittag und so schwinge ich mich bei nur 5 Grad Lufttemperatur frohen Mutes auf mein Fahrrad. Wenn man im Oktober eine Radreise im Altmühltal unternimmt, so muss man halt auch mal mit kühlerem Wetter rechnen. Dafür habe ich den Radweg fast für mich alleine und freue mich über jeden gleichgesinnten Radler, auf den ich treffe.

Das Altmühltal gehört laut ADFC zu einem der zehn beliebtesten Radwege Deutschlands. Sehr gut ausgebaute, geteerte oder hart gesandete Radwege führen durch eine bezaubernde Wiesen- und Flusslandschaft. Immer wieder bieten kleine Städtchen, imposante Burgen und Schlösser eine schöne Abwechslung.

Ich fahre ab Gunzenhausen in 5 Etappen bis nach Regensburg. Gerne wäre ich ab Rothenburg o.d.T. gestartet, aber leider habe ich diesmal nicht allzu viel Zeit.

Gunzenhausen liegt am Altmühlsee. Da ich die nächsten 4 Tage auf dem Fahrrad verbringen werde, laufe ich zu Fuß von meinem Hotel zum See und als ich endlich dort ankomme, ärgere ich mich schon, nicht das Fahrrad genommen zu haben, um einmal um den See herum zu radeln. Am oberen Ende des Sees liegt ein schönes Naturschutzgebiet, in dem viele Wasservögel heimisch sind. Obwohl der See künstlich angelegt wurde, besitzt er sehr natürliche Uferzonen und lockt im Sommer mit seinen schönen Badestränden. Zurück in Gunzenhausen lohnt sich ein Spaziergang durch die Altstadt mit ihren  stattlichen Fachwerkhäusern und Resten der alten Stadtmauer. Vom Färberturm kann man bis zum Altmühlsee schauen. Mitten durch den Ort verlief im 2. und 3. Jhd. der Limes. Heute ist hiervon nur noch eine Kennzeichnung im Straßenpflaster geblieben. Ich bin erst mittags mit der Bahn in Gunzenhausen angekommen, aber da hier alles klein und überschaubar ist, genügt ein Nachmittag zum Erkunden dieses netten Städtchens.

Etappe 1: Gunzenhausen - Treuchtlingen (40 km)

Die Landschaft schält sich ganz langsam aus dem Nebel. Die Altmühl ist bei Gunzenhausen nur ein paar Meter breit. Sie fließt durch eine weite Ebene, durch die man zunächst auf landwirtschaftlichen Nebenwegen in einer herrlichen Wiesenlandschaft radelt. Die Ausschilderung ist hervorragend. Meine Radreiseführer und Karten kann ich die meiste Zeit in den Packtaschen stecken lassen.

Nach ca. 14 Kilometern biege ich vom Altmühl-Radweg ab, um einen Umweg nach Weißenburg zu unternehmen. Und dieser Umweg lohnt sich!  In dem kleinen Städtchen angekommen, setze ich mich erst einmal in das nächste Café, um mich ein wenig aufzuwärmen. Die Temperaturen sind noch einstellig. Aber die Sonne lässt sich nun langsam blicken und nach meiner Pause strahlt sie mich vom komplett hellblauen Himmel an. Der Ortskern ist beeindruckend mit seinen in bunten Farben leuchtenden Fachwerkhäusern. Alte Stadttore und die unglaublich gut erhaltene Stadtmauer geben mir zumindest eine Ahnung, wie es hier im Mittelalter ausgesehen hat. Ich hatte nicht wirklich eine Vorstellung, was mich in Weißenburg erwartet und verbringe hier viel mehr Zeit, als geplant. Mit dem Rad geht es durch den Ort hindurch und dann nochmals an der Stadtmauer entlang einmal komplett herum.

 

Aber ich muss ja heute noch nach Treuchtlingen und so geht es auf einem hart gesandeten Weg weiter, bis nach 7 Kilometern die nächste Sehenswürdigkeit kommt: Der Karlsgraben. Hier hatte Karl der Große im 8. Jahrhundert die Idee, eine Verbindung zwischen den Flusssystemen des Rheins und der Donau zu bauen. Der Kanal war nach heutiger Erkenntnis wohl nicht lange in Benutzung.

 

 

Treuchtlingen ist meine Endstation für heute. Die Stadt ist aufgrund eines Eisenbahnknotens entstanden. Eine imposante Dampflok steht heute zum Anschauen im Ort. Das kleine Städtchen mit seinem Stadtschloss und dem Thermalbad ist schön überschaubar und ich erkunde es auf meinem Abend-Spaziergang. Es tut mir immer gut, mir nach einem Tag auf dem Rad ein wenig die Beine auf andere Weise zu vertreten.  

 

 

Etappe 2: Treuchtlingen - Eichstätt (45 km)

Heute Morgen ist es wieder kalt und ich bin froh, dass ich meine Woll-Mütze in meinem Reisegepäck habe. Dafür lacht die Sonne schon vom Himmel und es verspricht, ein richtig schöner Radel-Tag zu werden. Auf geht es nach Pappenheim! Schon der Name des Ortes macht neugierig. Hoch über dem Ort thront die gleichnamige Burg. Dies ist natürlich für Radler immer eine kleine Herausforderung. Alle Burgen entlang des Weges liegen oben… Also Rad abstellen und ein wenig wandern. Da neige ich dann schon dazu, die eine oder andere Burg einfach nur von unten zu betrachten. Aber die kleine Burgruine Pappenheim ist gut und schnell zu Fuß erreichbar und vom Turm aus hat man eine schöne Aussicht auf den Ort und die Umgebung.

 

 

Hinter Pappenheim geht es auf einem herrlichen Radweg direkt an der Altmühl entlang und dann radelt man auch schon an den bizarren Felsformationen wie z.B. den 12 Aposteln oder dem Burgsteinfelsen vorbei. Das Tal ist immer noch breit und es fährt sich erstaunlich einfach auf diesen ebenen Wegen, abseits vom Verkehr.

 

Kurz vor Eichstätt, dem heutigen Etappenziel, liegt rechts hoch oben die Willibaldsburg. Ich schaue sie mir vom Fluß aus an, denn Eichstätt ist nicht mehr weit entfernt und der Ort soll sehr sehenswert sein. Mein Hotel liegt direkt am Marktplatz der barocken Altsatdt. Die 19m hohe Mariensäule auf dem Residenzplatz leuchtet in der Nachmittagssonne und der Dom zu Eichstätt imponiert mir allein durch seine Wuchtigkeit, die er mit seinen drei Kirchenschiffen ausstrahlt. Angeblich ist dies eines der bedeutendsten mittelalterlichen Baudenkmäler Bayerns.

 

Etappe 3: Eichstätt - Riedenburg (68 km)

Da ich heute ein paar mehr Kilometer zu radeln habe, geht es früh los. Das Wetter ist zuerst ein wenig diesig, aber dafür nicht mehr ganz so kühl. Aus Eichstätt heraus geht es anfangs immer schön auf Radwegen an der Altmühl entlang. Sehenswerte Felsformationen begleiten mich immer wieder den ganzen Tag. Schon von weitem kann man Schloss Arnsberg sehen, wie es sich hoch über dem Tal erhebt. Die Altmühl verläuft in großen Schleifen durch die Landschaft. Auf schönen, hart gesandeten Radwegen rolle ich teils durch Wald, teils durch Wiesen leicht dahin. Die Sonne hat es mittlerweile wieder geschafft, sich durchzusetzen und so gibt es in Beilngries im Straßencafé erst einmal eine Pause. Natürlich erst, nachdem ich mir die Stadtmauer mit den zehn gut erhaltenen Türmen angeschaut habe.

Kurz vor Dietfurt fließt die Altmühl dann in den Main-Donau-Kanal. Ein eher umstrittenes Projekt. Von nun an geht es also immer am Kanal entlang. Hinter Dietfurt komme ich an eine alte Schleuse des König-Ludwig-Kanals, der im 19. und 20. Jahrhundert Main und Donau verband. Der Radweg ist auch hier sehr gut ausgebaut. Auf hart gesandeten Wegen geht es, den Kanal immer in Sichtweite, weiter nach Riedenburg. Oberhalb von Riedenburg liegen drei Burgen, was  einen imposanten Blick auf die Altstadt ergibt, als ich das Ufer wechsle. Mein Hotel liegt heute noch etwas außerhalb von Riedenburg, in Prunn. Das war eine lange Tagesetappe. Gut, dass die Radwege so schön ausgebaut sind und man wirklich rasch und doch ohne Eile vorankommt.  

Etappe 4: Riedenburg - Regensburg (56 km)

Die Burg Prunn thront mal wieder hoch über mir und der Blick von unten muss diesmal ausreichen, da ich heute wieder viel Sehenswertes auf meinem Plan habe, u.a. natürlich mein Etappenziel Regensburg.

Herrlich! Die frische, herbstliche Morgenluft umgibt mich, während ich schön am Main-Donau-Kanal entlang radle. Das Tal ist hier deutlich enger als noch an der ursprünglichen Altmühl. Da erblicke ich auch schon den ‚Tatzelwurm‘. Eine mit 190m Länge imposante Holzbrücke über den Main-Donau-Kanal. Kurz vor Kelheim steht dann die Rekonstruktion eines Keltendorfes direkt am Radweg.

Es ist wirklich unglaublich. Ich hätte am Altmühltal-Radweg nicht so viele verschiedene und interessante Sehenswürdigkeiten erwartet.
In Kelheim ist heute Markt. Eine zünftige bayerische Blaskapelle sorgt zusätzlich für Unterhaltung der Kundschaft. Kelheim ist ein gemütliches Städtchen mit sehr gut erhaltenen Stadttoren und natürlich wieder diversen Braukellern, die Ihr Bier anbieten. Von Kelheim aus kann man Schifffahrten durch den Donaudurchbruch und zum Kloster Weltenburg unternehmen. Hierfür sollte man auf seiner Radtour unbedingt Zeit einplanen. Die Schifffahrt dauert nur 15 – 20 Minuten und die bis zu 100m hohen, steilen Felswände am Donaudurchbruch sind durchaus beeindruckend.

Direkt hinter Kelheim mündet der Main-Donau-Kanal in die Donau und von nun an geht es auf dem gleichnamigen Radweg an der Donau entlang bis nach Regensburg.   

Auch die Donau beeindruckt mit Felsformationen entlang des Weges. Bei Bad Abbach, bekannt für seine Schwefelquellen, wechsele ich auf das rechte Donau-Ufer und so langsam erreiche ich die ersten Ausläufer von Regensburg. Ich bin das erste Mal in dieser Stadt. Es ist Samstag und die Stadt ist voller Touristen, die bei dem schönen Wetter durch die Fußgängerzonen schlendern. Regensburg ist beeindruckend. Nicht nur der Dom, der von Weitem schon die Silhouette der Stadt prägt, sondern der gesamte historische Stadtkern ist weitestgehend gut erhalten und sehr sehenswert.

Da die Region bekannt ist für die Bierbrauereien, mach ich mich auf zum Schloss Thurn und Taxis. Hier soll die Fürstin u.a. eine kleine Brauerei betreiben. Ich habe Glück und erhalte sogar eine 1,5 l Flasche Kellerbier frisch abgefüllt als Souvenir für zu Hause. Dies muss noch irgendwie in meinen Koffer passen! Morgen geht es leider schon wieder mit Bahn nach Hause….

 

 

Fazit

Der Altmühltal-Radweg gehört aus meiner Sicht mit Recht zu den beliebtesten Radwegen Deutschlands. Der Radweg ist super ausgeschildert, sodass man kaum auf die Karte schauen muss. Die Natur ist vielfältig. Ich habe noch nie so viele Graureiher unterwegs gesehen, wie hier. Durch die vielen kleinen Städtchen, Burgen und Schlösser wird es nie langweilig und es gibt genügend Lokalitäten, in denen man sich unterwegs verpflegen kann. Da die Sehenswürdigkeiten so vielzählig sind, sollte man genügend Zeit hierfür einplanen und die Tagesetappen nicht allzu lang wählen. 

 

Lust auf eine Radreise im Altmühltal?  

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