Reisebericht Radreise Loire

Die berühmten Schlösser der Loire von Orléans nach Saumur mit dem Rad erkunden - Ein ganz besonderes Erlebnis

von Ulrike Scholze 

Etappe 1: Orléans - St. Dyé (ca. 50 km)

So muss eine Radreise beginnen: Die Sonne scheint früh morgens direkt in unser Hotelfenster, von dem aus wir einen wunderbaren Blick auf den Fluss haben, der uns für die nächste Woche begleiten soll. Die Luft ist für Anfang September angenehm frisch und nachdem wir unsere Leih-Fahrräder getestet und bestiegen haben, geht es direkt auf den Loire-Radweg. Wunderbar, dieses leicht aufgeregte Gefühl der Vorfreude, das einem jedes Mal zum Start einer Tour überkommt. Weit kommen wir nicht. Der Ausblick von der ersten Brücke auf diesen naturbelassenen Fluss mit seinen Sandbänken und Inseln müssen wir erst einmal genießen.

Zurück blicken wir noch einmal auf Orléans, den Startpunkt unserer Reise. Der kurze Besuch gestern Nachmittag hat sich sehr gelohnt. Die Stadt ist mit der neuen Tram-Linie einfach zu erkunden und der imposante Dom, der breite Boulevard und nicht zuletzt das sehr nett renovierte Altstadtviertel am Ufer der Loire laden zu einen Stadtbummel ein.

Aber weiter geht es auf unserer Radtour. Die Sonne lacht und der Rückenwind trägt uns auf dem Damm an der Loire entlang. Herrlich!

In Meung Sur Loire ist Sonntags Markt. Eine wunderbare Gelegenheit, uns für ein Mittags-Picknick einzudecken. Käse, Baguette und eine kleine Flasche Wein, alles von lokalen Anbietern. Mehr braucht es nicht, um es sich irgendwo am Ufer der Loire gut gehen zu lassen.

In Beaugency ist es herrlich ruhig. Sonntag halt. Noch ca. 20 Kilometer schlängelt sich unser Radweg durch idyllische kleine Orte, durch Wald und Wiesenlandschaft bis St. Dyé, unserem heutigen Etappenziel. Ein Hotel in einem alten Herrenhaus direkt an der Loire. Der Ort ist klein und im Hotel 
befindet sich das einzige geöffnete Restaurant. Dafür ist es spitze! Allein die Käseplatte, die zum Dessert gereicht wird, ist einen Besuch in dem Restaurant wert.

Etappe 2: St. Dyé - Chambord - Cheverny - Blois (ca. 50 km)

Am nächsten Morgen weckt uns wieder die Sonne. Wir radeln früh los. Nur 5 Kilometer durch den Wald nach Chambord. Eines der schönsten Renaissanceschlösser an der Loire. Wir radeln durch den Wald und direkt auf dieses architektonische Meisterwerk zu. Die Morgensonne lässt es in einem mystischen Licht erstrahlen. Die Türme, Treppen und Giebel sind kaum alle zu erfassen. Egal, wie lange man darauf schaut. Ein weiterer Höhepunkt im Innern des Schlosses ist sicherlich die doppelläufige Treppe.

  

Weiter geht es durch den Schlosspark und die 32 km lange Mauer hindurch, die diesen umgibt. Die Waldwege scheinen teilweise mit einem Lineal als Schneisen gezogen worden zu sein. Nach nicht mal 20 km folgt gleich das nächste berühmte Schloss: Cheverny! Das Schloss wird heute von der Familie Hurault de Vibraye bewohnt. Dennoch ist ein großer Teil für die Öffentlichkeit zugänglich und auch wir schauen uns die schön eingerichteten Räume und den Schlosspark gerne an. Es ist Mittagszeit und so decken wir uns im Ort wieder mit Käse und Baguette ein und setzen uns auf eine Wiese in die Sonne!

Man kann nicht alle Schlösser ansehen. Und so fahren wir am Chateau de Beauregard vorbei. Einen Blick kann man von Außen leider nicht erhaschen ohne zumindest Eintritt für den Park zu zahlen. Aber man kommt unterwegs immer wieder an schönen Herrenhäusern und kleineren Chateaus vorbei, dass man am Ende des Tages Schwierigkeiten hat, alle zu erinnern.

Die mittelalterliche Stadt Blois mit ihrem Schloss, das sich mitten im Ort erhebt, erwartet uns als heutiges Etappenziel. Mit seinen kleinen Gassen und dem wunderbaren Ausblick vom Vorplatz des Schlosses lädt es nach einem langen Radlertag noch zu einem Abendspaziergang ein.

 

Etappe 3:  Blois - Chaumont - Amboise (ca. 45 km)

Am nächsten Morgen geht es zuerst etwas holperig durch einen weiteren riesigen Wald. An einer sternförmigen Kreuzung geht es in 8 (!) verschiedene Richtungen. Zum Glück steht hier ein Wegweiser und wir radeln weiter zum Chateau von Chaumont. Pünktlich mit unserer Ankunft am Schloss zeigt sich wieder die Sonne. Es war doch schon recht frisch morgens ohne sie. Wir besichtigen nur die Gartenausstellung, wobei man hier nicht nur als Gartenfreund stundenlang durchschlendern und kleine und große Blüten in allen Farben entdecken und bestaunen kann.

   

Wir entscheiden uns, am linken Loire-Ufer weiter nach Amboise zu fahren. So kommen wir von oben in die Stadt hinein mit wunderbaren Ausblicken auf das wilde Loire-Tal. Der Blick von oben und das Radeln durch die Weinberge entschädigt für so manchen Anstieg, die manchmal steil aber nie endlos lang sind.

Nachdem das Hotelzimmer bezogen ist, geht es zu Fuß in die Altstadt. Direkt an der alten Schlossmauer in einem der vielen kleinen Weinlokale trinken wir erst einmal ein Glas auf unsere zurückliegende Radetappe. Eine tolle Atmosphäre herrscht hier zwischen den uralten und windschiefen Häusern. Und nach und nach kommen immer mehr Radler, die es uns gleich tun, vorbei.

 

Etappe 4: Amboise - Chenonceau - Tours (ca. 55 km)

Heute früh ist es wieder schön frisch und sonnig. Das Schloss der Damen, wie Chenonceau auch genannt wird, ist auch heute wieder gut besucht. Kein Wunder, ist es doch über die Cher gebaut und mit dem wunderschönen von Katharina de Medici angelegten Gärten eine echte Perle unter den Loire-Schlössern. Hier lohnt sich auch auf alle Fälle, das Schloss von Innen zu besichtigen. Fast jeder Raum wird von riesigen, echten Blumensträussen geschmückt. Die Küche im Keller ist noch komplett eingerichtet, als wenn hier regelmäßig für große Gesellschaften gekocht wird. 

   

Der Radweg nach Tours verläuft immer schön am Ufer der Cher und abseits des Verkehrs. Erst kurz vor dem Stadtzentrum reihen wir uns auf einem gut ausgebauten Radweg in den Verkehr und gelangen sehr bequem in unser Hotel direkt am Bahnhof. Von dort machen wir uns zu Fuß auf, die Stadt zu erkunden. Besonders sehenswert ist die Altstadt um den Place Plumerau mit seinen Häusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

 

Etappe 5: Tours - Villandry - Azay-Le-Rideau -Chinon  (ca. 65 km)

Aus Tours heraus geht es am nächsten Tag ebenso gut mit dem Rad, wie hinein. Durch Felder und Wiesenlandschaften radeln wir zuerst weiter an der Cher entlang bis nach Villandry. Dieses Schloss können wir von der anderen Seite des Flusses bewundern. Wir lassen es heute aus, obwohl ich den kunstvollen Garten, für den das Schloss so berühmt ist, schon sehr gerne gesehen hätte. 

Wir entscheiden uns, vom Fluss weg zu radeln und einen Umweg nach Azay-Le-Rideau zu nehmen. Dieses sehr elegante, von Wasser umgebene Schloss wird noch bis 2017 renoviert und ist fast komplett eingerüstet als wir ankommen. Dennoch kann man es auch während der Arbeiten von Innen besichtigen, was sehr lohnenswert ist.

In Brehemont kommen wir nach einer schönen Abfahrt wieder zurück an die Loire. Dort genießen wir, wie einige andere Radler auch, eine kleine Mittagspause an der Uferpromenade. Der einzige kleine Kiosk, der geöffnet hat, macht heute ein gutes Geschäft.

Wunderbar radelt es sich weiter an der Loire entlang bis wir nach gut 7 Kilometern zuerst am Schloss Usse vorbeikommen und dann zum nächsten Fluss, der Vienne abbiegen. Den Fluss wechseln heißt immer auch ein wenig bergauf radeln, um dann in einer schönen Schussfahrt wieder hinab durch die Weinberge in ein neues Tal zu gleiten. Diesmal kommen wir direkt an unserem Etappenziel Chinon an und die Abfahrt durch die alten, engen Gassen der kleine Stadt ist zwar langsam aber entsprechend spektakulär.

Natürlich hat auch Chinon ein Chateau. Aber das eigentlich Tolle sind die kleinen Gassen und der Blick von der Brücke über den Fluss Vienne im Dunkeln, wenn die Stadt und das hierüber thronende Schloss beleuchtet sind. 

In Chinon findet man schon die in den weichen Tuffstein geschlagenen Höhlenkeller. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass hier anfangs die ersten Bewohner von Chinon gehaust haben und dann die Steine für den Bau der Burg aus dem Fels gehauen wurden. Winzer nutzen die Höhlen heute als Weinkeller und bieten Ihre edlen Tropfen für Touristen zum Probieren an.

 

 

Etappe 6: Chinon - Fontevraud - Saumur (ca. 47 km)

Auch auf unserer letzten Etappe nach Saumur werden wir wieder von Sonne und Rückenwind begleitet. Was für ein perfektes Radlerwetter! Kurz hinter Chinon trifft die Vienne wieder auf die Loire. Wir nehmen noch einen 12 Kilometer langen Abstecher zur Abtei von Fontevraud. Berühmt ist das Kloster für sein einzigartiges, 30 m hohes Küchengebäude mit seinen 8 Kaminen. Auch die Klosterkirche ist sehr sehenswert und beeindruckend.

Zurück an der Loire geht es mit einem kräftigen, kurzen Anstieg hoch in die Weinberge. Herrliche Ausblicke über das Loiretal und ein schöner Pausenplatz im Weinberg belohnen uns, bevor es zu unserem letzten Etappenziel, Saumur hinein geht. Wir gehen nochmals schön essen und flanieren abends auf die Brücke, von der man wieder den besten Blick auf das Chateau von Saumur hat.

Ein wenig traurig sind wir schon, dass wir am Ziel angelangt sind. Dies war eine sehr kurzweilige Woche mit einer perfekten Routenführung auf guten Radwegen und vielen kleinen verkehrsarmen Straßen. Durch wunderschöne Landschaften, Weinberge, typische französische Ortschaften und nicht zu vergessen: vorbei an einer beeindruckenden Vielzahl von Chauteaus, wie es sie nur hier gibt. Dies gepaart mit der kulinarischen Vielfalt, die man am schönsten bei einem Picknick am Ufer der Loire genießen kann, lässt einen schon mal fühlen 
wie Gott in Frankreich!

Zur Radreise von Orléans nach Saumur.....