Reisebericht Radreise Salzkammergut

Glasklare Seen, imposante Bergkulissen und immer wieder diese gemütliche, österreichische Gastlichkeit

von Ulrike Scholze


Etappe 1: Trumer See - Mondsee 

Trumer See im herbstlichen Morgennebel © Andreas Scholze Blick auf den Wallersee © Andreas Scholze Mondsee im Sonnenschein © Andreas Scholze

Nebel hat sich an diesem Septembermorgen wie ein undurchsichtiges Tuch über den Trumer See gelegt. Aber dieser Anblick kann unsere Freude auf die vor uns liegende 5tägige Radtour durch das Salzkammergut nicht trüben. Denn gestern, als wir hier in Seeham im Hotel Walkner ankamen, schien wunderschön die Sonne. Und wir sind zuversichtlich, dass sie den Nebel heute mit etwas Geduld auch wieder vertreibt.

Nach einem ausgiebigen Frühstück, geben wir unser Gepäck für den Transfer zur nächsten Unterkunft ab und es heißt endlich „Auf die Pedale, fertig, los!“

Unser heutiges Tagesziel ist der Mondsee. Ein Name, der neugierig macht. Aber wie bei jeder Radreise ist ja eigentlich immer der Weg das Ziel. Und dieser beginnt mit einer herrlichen Tour nach Mattsee, am gleichnamigen See gelegen. Die Sonne kämpft sich so langsam durch den Morgennebel und so liegen die Seen komplett ruhig und in gleißendes Licht getaucht an unserem Wegesrand.

Nach einem kurzen, steilen Anstieg radeln wir leicht hügelig durch Almwiesen und Felder. Herrlich! Die Sonne scheint und nach ein paar Kilometern treffen wir auch schon wieder auf den nächsten See: Der Wallersee. 

Es ist Sonntag, die Temperaturen sind für Ende September mit über 20°C top zum Radfahren und so sind wir auch nicht die Einzigen, die hier radeln. Aber die gut ausgebauten Radwege und Nebenstraßen lassen genügend Platz für alle. Der Wallersee ist heute schon See Nr. 4 aber dennoch genießen wir alle Ausblicke, die wir erhaschen können und bleiben ständig für Foto-Stopps stehen.

Mittags kehren wir in einem der vielen Biergärten ein. Köstlich, diese österreichische Küche und Kürbis-Suppe ist jetzt genau das Richtige, bevor es auf die letzte Etappe zum Mondsee geht.

Und da liegt er endlich vor uns. Eingebettet in ein wunderschönes Bergpanorama, lädt das klare und noch über 20°C warme Wasser zum Baden ein. Wo der Name des Sees herkommt ist umstritten. Eine Theorie ist, dass er seiner Sichelform den Namen zu verdanken hat.

Der Ort Mondsee selbst hat ca. 3.600 Einwohner, eine beschauliche Fußgängerzone und natürlich auch eine Seepromenade, die zum Entlangschlendern einlädt. Wir holen uns ein Eis und beobachten von einer Parkbank aus das Treiben an der Promenade, die anlandenden Ausflugsboote und genießen diese großartige Bergkulisse, in die der See sich einschmiegt.
Und da versteht es sich von selbst, dass heute Abend Fisch aus dem Mondsee auf unserem Speiseplan steht. Überhaupt ist der frische Fisch in dieser Gegend sehr empfehlenswert!


Tag 2: Mondsee – Attersee – Traunsee

Mondsee im Morgennebel © Andreas Scholze Unterach am Attersee @ Andreas Scholze Seeschloss Orth © Andreas Scholze

Am nächsten Morgen beginnt sich der herbstliche Nebel nach unseren ersten Radkilometern wieder zu verziehen. Das ist die absolut schöne Seite am Herbst, die es vermag, die Landschaft in eine wunderbar beruhigende Stimmung zu tauchen. Wabernde Nebelschwaden weichen dem Sonnenlicht. Für uns geht es einmal den Mondsee entlang. Am südlichen Zipfel finden wir einen Zugang, an dem wir erst einmal eine Pause einlegen müssen. Fische schwimmen in dem klaren Wasser und huschen schnell zur Seite, als ich hineinwate, um eine bessere Fotoperspektive zu erhalten.   

Die Straße führt so eng zwischen Felswänden und Ufer entlang, dass es leider keinen Platz für einen Radweg gibt. Aber die kurvigen Straßen werden von allen Teilnehmern vorsichtig genommen und so kommen wir gut am Ende des Mondsees an, wo wir dann gleich weiter zum Attersee radeln.

Dort angekommen begrüßt uns die Gemeinde Unterach mit herrlichem Sonnenschein und tollen Ausblicken auf den Attersee. Von nun an geht es immer am See entlang bis hoch nach Weyregg. Auf dieser Strecke ist zwar ein wenig mehr Verkehr, aber der uns begleitende Ausblick auf den See lenkt die Aufmerksamkeit angenehm ab.

In Weyregg gibt es eine nette Badestelle mit einem Imbiss, der glücklicherweise gerade öffnet und wir unseren ersten guten österreichischen Kaffee mit einem leckeren Stück Pflaumenkuchen genießen können. Das schöne Wasser lädt ein paar Badegäste ein, die sich den See mit den Schwänen teilen. Wir beobachten ein wenig diese traute Idylle.

Unsere Route führt dann weg vom See und gut gestärkt nehmen wir die folgenden Auf und Abs entlang der Strecke. Schließlich erreichen wir die Kurstadt Gmunden, am nördlichen Ende des Traunsees gelegen und berühmt für die Gmundener Keramik mit ihrem charakteristischen weiß-grün geflammten Dekor.
Wir radeln an der Seepromenade, die eine der schönsten des Salzkammergutes sein soll, entlang und lassen uns in einem Cafe auf dem Marktplatz nieder. Unsere Tagesetappe ist fast geschafft und so belohnen wir uns schon einmal mit einem kühlen Glas Bier. 

Auf unserem letzten Stück in Richtung Altmünster, wo unsere nächste Unterkunft liegt, kommen wir an dem Seeschloss Orth vorbei. Es zählt zu den ältesten Gebäuden des Salzkammergutes, war Drehort der Fernsehserie Seeschloss Orth und liegt imposant auf einer kleinen Insel im Traunsee.

Unsere Unterkunft Hotel Hocheck in Altmünster macht seinem Namen alle Ehre und liegt weit über dem Ort, was uns einem letzten Anstieg beschert. Wie immer werden wir dann aber auch mit einem ebenso schönen Ausblick über den Traunsee belohnt. Den Tag lassen wir in der gemütlichen Gaststube des Hotels mit gutem Essen ausklingen.


Tag 3: Traunsee - Hallstätter See - Wolfgangsee

Traunsee Hochkogel © Andreas Scholze Blick über den Hallstätter See auf Hallstatt © Andreas Scholze Hallstadt Blick auf die historischen Häuser © Andreas Scholze

Heute haben wir uns eine lange Etappe von ca. 100 km vorgenommen. Möglichkeiten zum Verkürzen mit der Bahn gibt es. Aber das Wetter ist super und so starten wir frühest möglich.

Es geht mal wieder immer am See entlang – Heute früh ist es erst einmal noch der Traunsee. Schon von Weitem erkennen wir die kleine Kapelle in Traunkirchen, die hoch über dem Ort am See auf einem Felsen thront. Hier wird der Verkehr auch deutlich ruhiger, da dieser nun durch einen Tunnel umgeleitet wird. Herrlich liegt der ruhige Traunsee, eingebettet in steilen und schroffen Felsen vor uns. Der Radweg führt spektakulär durch kleine in den Felsen gehauene Viadukte direkt am See entlang.

Nun geht es erst einmal die nächsten 20 km immer der wild dahinfließenden Traun folgend bis wir in den Kurort Bad Ischl gelangen. Schön angelegte Parkanlagen, das Theater und die Trinkhallen geben dem Ort ein entspanntes Flair. Hier hat schon Kaiser Franz Joseph die Sommerfrische genossen.

Wir haben noch ein Stück vor uns und radeln weiter nach Bad Goisern. Die beiden Orte sind durch einen schönen Radweg durch Wald und an der Traun entlang verbunden. In Bad Goisern angekommen sind wir dann auch schon fast am Hallstätter See!

Diesen wollen wir einmal umrunden. Wir starten am östlichen Ufer mit wunderschönen Ausblicken auf das malerisch gelegene Hallstatt. Dies lässt die Vorfreude auf das Weltkulturerbe ungemein steigen. Der Weg ist sehr hügelig, sodass wir erst am Ende des Sees in Obertraun eine kleine Mittagspause im Café am Badeplatz einlegen. Und die haben wir uns nach mehr als der Hälfte der heutigen Tagesetappe auch verdient.

Hallstatt begrüßt uns, wie erwartet mit vielen Touristen. Da die asiatischen Reisegruppen fehlen, haben die Einheimischen ihre touristischen Schönheiten in diesem Corona-Sommer umso mehr entdeckt. Und dies zu Recht: Die Häuser schmiegen sich eng an die Felswände und wirken wie aufeinandergestapelt, wenn man den Blick nach oben den Berg entlang schweifen lässt. Faszinierend, wie diese Bauweise so möglich war.

Unsere Fahrräder schieben wir staunend an den Reihen von Souvenirläden entlang durch den Ort. Dies ist wirklich ein lohnendes Reiseziel. Es gibt hier viel Sehenswertes und auch Kurioses, wie z.B. das Hallstätter Beinhaus. Aufgrund der Enge in Hallstatt wurden früher die Gebeine der Toten nach 10 – 15 Jahren auf dem Friedhof wieder ausgegraben, teils mit Blumen- und Blattmotiven bemalt und fein säuberlich im Untergeschoss der Friedhofskapelle aufgeschichtet. 

Wolfgangsee bei Abersee © Andreas ScholzeZurück nach Bad Goisern geht es am linken Seeufer meist leicht abfallend. Unser Weg führt uns nun weiter zum Wolfgangsee. Das letzte Mal, als wir dort waren, hatte es durchgehend geregnet. Heute begleitet uns die Sonne den ganzen Tag. In Strobl am Wolfgangsee angekommen, finden wir ein sehr schönes Restaurant mit Gartenterrasse und Seeblick. Das kühle Bier tut nach über 90 km mehr als gut. 

Der Wolfgangsee liegt schön ruhig vor uns und wir radeln das letzte Stück unserer heutigen Etappe, vorbei an einladenden Badestellen, in Richtung Abersee. Das Restaurant unseres Hotels Aberseehof hat heute leider Ruhetag und so radeln wir kurz zur Zinkenbachmühle, wo wir in einem urig-gemütlichen Gasthof einkehren und den geradelten 100 km entsprechend zulangen.  

Uns fällt bei unseren Besuchen in Österreich immer wieder auf, dass viel mehr regionale Speisen und Getränke angeboten werden. Speisekarten haben oft Hinweise, wo einzelne Produkte herkommen und teils sogar kurze Portraits der Produzenten. Hier wird viel Wert auf gute, heimische Zutaten gelegt und das schmeckt man auch….


Etappe 4: Wolfgangsee – Salzburg

Strubachklamm Radweg © Andreas Scholze Getreidegasse Salzburg © Andreas Scholze Salzburg - Hohensalzburg © Andreas Scholze

Heute ist das Wetter ein wenig eingetrübt. Aber wir können uns nach drei herrlichen Sonnentagen nicht beschweren. Hinauf geht es zuerst in Richtung Fuschlsee. Wir haben mittlerweile aufgehört, die Seen zu zählen, an denen wir vorbeikommen. Alle sind einzigartig und es ist immer wieder spannend, den nächsten zu entdecken.

Unser Ziel heute ist Salzburg. Vorab radeln wir entlang der Strubachklamm. Der Radweg führt spannend durch kurze, dunkle Tunnel und dicht an den hinabstürzenden Felsen der Klamm entlang.

Nach Salzburg hinein geht es ganz gemütlich immer an der Salzach entlang. Die ersten Vororte mit schönen Villen begrüßen uns. Die Stadt ist mit ca. 152.000 Einwohnern überschaubar groß und unser Hotel Ganslhof ist schnell gefunden. Wir haben den Nachmittag nun zur Erkundung der Stadt und beginnen erst einmal mit der berühmten Getreidegasse. Eine schöne, schmale Einkaufstraße, die zum Bummeln einlädt. Das Mozarthaus ist fast ein wenig unscheinbar und aufgrund der Bier- und Weinstände davor ein wenig zu versteckt, um es auf Anhieb zu entdecken.

Die Festung Hohensalzburg thront imposant hoch über der Stadt. Mit der Festungsbahn ist der Fels in ca. 1 Minute schnell zu erklimmen. Die Aussicht von dort oben lohnt sich bei guter Sicht allemal. Einzigartig sind auch die in den Felsen gehauenen Katakomben am alten Petersfriedhof, die wahrscheinlich schon im 3. Jahrhundert als Gebetsstätten dienten.

Unser kurzer Stadtrundgang ist schon beendet. Aber für einen ersten Überblick und Eindruck hat es gereicht. Den Mozartkugeln, die hier bergeweise in fast jedem Geschäft angeboten werden, können wir widerstehen. Wir gönnen uns lieber einen der richtig guten österreichischen Kaffees. Mittlerweise haben wir auch wieder den Unterschied zwischen einem großen Braunen, einem Verlängerten oder einer Melange drauf.

Den Abend verbringen wir in dem kleinen Brauhaus ‚Kastner’s Schenke‘ bei klassischer österreichischer Küche und dem selbstgebrauten Bier.


Etappe 5: Salzburg – Trumer See

Unterwegs per Rad im Salzkammergut © Andreas Scholze Holzöster See Badestelle © Andreas Scholze

Die letzte Etappe wartet heute auf uns. Ganz gemütlich geht es an der Salzach entlang aus Salzburg heraus. Noch ein paar Mal drehen wir uns um, um die Silhouette der Stadt mit der Hohensalzburg zu bestaunen. Viele Radler sind hier unterwegs und die Radwege entsprechend gut ausgebaut.

Wir kommen gut voran, da es immer am Fluss entlang geradeaus geht. Abzweiger gibt es nicht und so geht es am Waldrand entlang in Richtung Laufen. Hier verbindet eine Brücke über den Fluss Deutschland auf der einen und Österreich auf der anderen Seite des Flusses. Die Stadt liegt eingezwengt in einer engen Schleife der Salzach, die uns fast einmal um den Ort herumführt.

Wir verlassen den Fluss kurz hinter Laufen und radeln quer durchs Land wieder in Richtung Seeham am Trumer See, unserem Ausgangsort. Wunderschön geht es von Ort zu Ort durch eine herrliche Wiesen- und Feldlandschaft. Immer wieder auf und ab. Nach 6 Tagen merken wir die Steigungen langsam in unseren Beinen. Aber wir haben genügend Zeit für Pausen und die geniessen wir auch.

Am Holzöster See finden wir an einer Badestelle noch ein kleines Restaurant direkt am See. Die Mittagssonne auf der Holzterrasse wärmt uns durch und wir nehmen gut gestärkt die letzten Kilometer unserer schönen Radtour durch das Salzkammergut.

In Seeham angekommen, werden wir freundlich erneut im Hotel Walcher begrüßt. Wir freuen uns schon auf den Abend hier bei leckerem Fisch, frisch aus dem Trumer See!

 

Unser Fazit:

Ulrike und Andreas am Mondsee © Andreas ScholzeIm Salzkammergut findet man alles, was einen entspannten Österreich-Urlaub ausmacht:

Traumhafte, abwechslungsreiche Landschaft; klare, leuchtend blaue Seen, eingebettet in schroffe Berglandschaften, Wiesen- und Almen mit friedlich grasenden Kühen, kleine Ortschaften mit urgemütlichen Möglichkeiten zur Einkehr und vieles mehr! I

m Herbst hatten wir die Seen morgens oft in Nebel getaucht. Spektakulär, wenn die Sonne nach und nach durchschaut und den Neben vertreibt.

Die Radwege sind sehr gut ausgebaut und beschildert. Teilstücke führen auch mal entlang viel befahrener Straßen. Hier kann man aber auch mit geschickter Planung ein paar Strecken mit der Bahn und im Sommer auch mit dem Schiff überbrücken. 

Für Radler, bei denen das Sightseeing im Vordergrund steht, empfiehlt sich ein E-Bike. Manche Teilstücke können für ungeübtere Rafahrer aufgrund der kurzen aber steilen Anstiege herausfordernd sein. Wenn man allerdings seinen Radurlaub auch dazu nutzen möchten, ein wenig fit zu bleiben, so ist das Salzkammergut auch gut mit einem normalen Tourenrad zu fahren.

Die Küche im Salzkammergut haben wir sehr genossen. Frischen oder auch geräucherten Fisch gab es fast immer zu finden. Aber auch Wild- oder Schweinsbraten werden gerne angeboten. Die Käsespezialitäten sind vielfältig und wir haben es nicht geschafft, uns durch die diversen Knödel-Sorten durchzuprobieren. 

Bademöglichkeiten haben wir an fast jedem See entdeckt. Meist sind die Badestellen öffentlich zugänglich (teils mit Eintritt).

Start und Ende einer Salzkammerguttour in Salzburg gibt die Möglichkeit, die Stadt noch ein wenig besser kennenzulernen. Zusatznächte sind durchaus empfehlenswert, gerade wenn man eventuell den Besuch mit den jährlich stattfindenden Festspielen verbinden möchte. Die Stadt ist gut erreichbar auch per Flugzeug oder Bahn.
Start und Ende auf dem Land am Trumer See oder Wolfgangsee: Wer es lieber ruhiger mag, ist am Trumer See oder dem Wolfgangsee als Ausgangsort gut aufgehoben. Hier sind meist kostenlose Parkplätze vorhanden und die Region ist mit dem eigenen Auto gut erreichbar.

Alles in allem ist eine Radreise eine sehr nach- und werthaltige Art, das Salzkammergut kennenzulernen.
lso: Auf die Pedale, fertig, los!
 

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