Reisebericht Radreise - Von den Dolomiten zur Adria

Die Berge Südtirols, die wilden Flüsse Österreichs, Naturparks in Slowenien, Weinbaugebiete und historische Städte Norditaliens und die Adriaküste - Alles in einer Radreise!

von Ulrike Scholze 

„Zum Wohl!“ und „Auf eine sehr schöne und erlebnisreiche Fahrradtour!“ Wir sitzen in einem Straßencafé am Canale Grande von Triest und stoßen mit dem typisch italienischen Sommergetränk ‚Aperol Spritz“ auf die leider schon hinter uns liegende Radtour an. Sechs ereignisreiche und völlig verschiedene Tagesetappen vom Hochpustertal in Südtirol bis an die Adria haben dafür gesorgt, dass die Radtour sich recht weit vorne in unserer Rangliste der ‚schönsten Touren‘ eingereiht hat.

Aber der Reihe nach:

Wir sind immer auf der Suche nach neuen, spannenden Radreisen, die wir unseren Kunden anbieten können. Und ‚Dolomiten – Triest‘ lässt uns neugierig werden.

Wie kommt man mit dem Fahrrad in nur einer Woche vom Hochpustertal in Südtiol über Österreich und Slowenien ganz zur Adria? Wir machen uns Mitte September voller Vorfreude auf den Weg von Hamburg nach Toblach. 

1.Tag: Anreise ins Hochpustertal – Die Dolomiten vor Augen

Von Norddeutschland aus ist es eine relativ lange Anreise, einmal quer durch die Republik. Aber wenn man erst über den Brenner hinüber ist, sind es nur noch ca. 1,5 Stunden bis zum Ziel, Toblach im Hochpustertal. Es ist ein kleiner, entspannter Ort mit einer unglaublichen Aussicht auf die Dolomiten. Ein besonderes Highlight und unbedingt einen Besuch wert ist die Schaukäserei ‚Drei Zinnen‘. Hier kann man bei der Produktion zuschauen und lernt eine Menge über die Produkte, deren Milch nur von Bauern aus der näheren Umgebung erworben wird. Aber am Besten ist, dass man auch alle Produkte im Bistro probieren und natürlich auch erwerben kann. Aber das muss bis zu unserer Rückkehr nächste Woche warten.

Ein erster Radausflug führt uns um den Toblacher See. Er liegt etwas abseits des Ortes. Umrahmt von hohen Bergmassiven schimmert er in dunklem Türkis und Blau. 

2.Tag: Von der Quelle der Drau einem der schönsten Radwege Österreichs folgend (ca. 70 km)

Endlich geht es los! Vor uns liegt eine 70 km lange Etappe. Kurz hinter Toblach kommen wir an der Quelle der Drau vorbei, die uns den ganzen restlichen Tag begleiten wird. Da wir früh aufbrechen wollten und ohne Frühstück losgefahren sind, kehren wir gleich im nächsten Ort, in Innichen, im ersten Café ein. Die nette Fußgängerzone des Ortes bietet einige Gelegenheiten, einzukehren. Die Drau, mittlerweile ein größerer reißender Bergbach, fließt mitten durch den Ort. 

Kurz hinter der österreichischen Grenze kommen wir nach Sillian. Hier hat der Keks-Hersteller ‚Loacker‘ eine Fabrik mit Verkauf. Es lohnt sich für Schokoladen- und Gebäck-Fans, durch den Laden zu stöbern. Und auch wir decken uns mit Proviant in Keksform ein.

Es geht rasant, fast immer bergab und auf super ausgebauten Radwegen bis nach Lienz. Da die Temperaturen heute etwas frischer sind, werden die Muskeln kaum warm. Es macht aber dafür richtig viel Spaß, so ganz ohne Mühe ordentlich voran zu kommen. Die Drau rauscht neben uns her. Durch den Regen der letzten Tage führt der kleine Fluss ordentlich Wasser. Da wir immer am Fluss entlangfahren, benötigen wir auch keine Karte und verlieren keine Zeit mit der Routenfindung.

In Lienz sind wir pünktlich zur Mittagszeit und folgen einer Restaurant-Empfehlung: Es geht in das Gasthaus der Brauerei Falkenstein. Deftige Küche aber auch sättigende Kleinigkeiten stehen auf der Karte. Das ist genau das Richtige für uns. Durch Lienz radeln wir nur für eine kurze Besichtigungstour. Sicherlich kann man in der Stadt mit Ihrer nett angelegten Fußgängerzone und den schönen Plätzen ein wenig mehr Zeit verbringen. Mittlerweile ziehen aber ein paar dunkle Regenwolken auf und so beschließen wir, uns lieber schnell auf die letzten 22 km in Richtung Oberdrauburg zu begeben.

Bei Lienz fließt die Isel in die Drau und so ist der Fluss mittlerweile beachtlich angewachsen und rauscht umso lauter neben uns her. Die Bergpanoramen, die uns den ganzen Tag begleiten, sind sehr beeindruckend. Langsam verschwinden sie hinter den Wolken und auf den letzten Kilometern erwischt uns doch noch ein heftiger Regenschauer. Gut, dass unser Gasthof in Oberdrauburg über einen Trockenraum verfügt, der eigentlich im Winter für die Skifahrer gedacht ist.

Aber nach einer kurzen Dusche und Kleiderwechsel fühlt sich alles wieder gut an. Oberdrauburg ist eher klein und gemütlich, sodass das Sightseeing hier kurz ausfällt. 

3.Tag: Das unbekannte Gail-Tal (ca. 65 km)

Heute verabschieden wir uns von der Drau und freuen und auf das weniger bekannte Tal der Gail.

Mit einem Transfer geht es heute früh erst einmal den vor uns liegenden Gailberg-Pass. Wir sparen uns 350 Höhenmeter hinauf zu radeln. Mit einer rasanten Abfahrt geht es dann vom Pass direkt an den Fluss. Auf schön ebener Strecke und einem Radweg, der dem an der Drau in nichts nachsteht, geht es immer an der flott dahinfließenden Gail entlang. Links und rechts erheben sich imposant die Berge und überall am Radweg sind nette Picknickplätze eingerichtet. Wir kommen wieder schnell voran und so unternehmen wir noch einen Abstecher um den Presseggersee, einem sehr beliebten Badesee. Heute lädt das Wetter leider nicht 10zum Schwimmen ein und da wir schon Ende September haben, ist das Restaurant hier am See auch schon geschlossen. Schade, die Lage des Sees mit seinem riesigen Schilfbeständen und Blick auf die Berge ist schon einen Abstecher wert. Also geht es für uns gleich weiter zu unserem Tagesziel nach Feistritz.

Feistritz an der Geil ist ein winziger Ort mit einem Hotel ‚Alte Post‘. Ein wirklich herzlicher Ort mit einer sehr guten Gaststube. Da unser Mittagessen ausgefallen war, lassen wir uns hier erst einmal kulinarisch verwöhnen und genießen dieses Kleinod in vollen Zügen.

4.Tag: Eine ungewollte Abkürzung auf dem Weg nach Bled (ca. 35 km)

Oh Jeeee! Wir wachen auf und es regnet ordentlich. Leider sieht es auch nicht so aus, als wolle sich hieran heute irgendetwas bessern.

Einige Radfahrer, die ebenfalls unterwegs sind, tun sich zusammen und ordern einen Transfer direkt nach Bled. Aber wir sind ja hier, um alle Strecken einmal selbst abzufahren und eigentlich wollen wir uns von Regen nicht davon abhalten lassen. Nach einem guten Frühstück geht es los. Heute wird es hier und da mal etwas hügelig. Aber ohne kilometerlange Steigungen. Wir treffen auf den Alpe-Adria Radweg und folgen ihm ein Stück. Unser Kartenmaterial wird leider immer nasser und zum Glück muss ich es nicht allzu oft herausholen. Nach 8 km sind wir schon an der österreichisch / italienischen Grenze. Eine Besichtigung von Tarvisio schenken wir uns heute, da es ununterbrochen regnet. Wir kommen an die italienisch / slowenische Grenze und ab hier gibt es einen tollen Radweg abseits der Straßen. Ein Feuersalamander kreuzt unseren Weg. Ihm macht der Regen nichts aus. Wir sind mittlerweile ziemlich nass. Aber das eigentliche Problem ist eher, dass auch die Temperaturen deutlich im einstelligen Bereich liegen. Wir kommen noch an den imposanten Skiflugschanzen von Planica vorbei und im Wintersportort Kranjska Gora flüchten wir uns in die erste Gaststätte, die wir finden. Völlig durchnässt, bestellen wir uns heißen Tee und hoffen, die Bedienung stört sich nicht an den Wasserpfützen unter unseren Stühlen. Nach kurzer Überlegung beschließen wir schweren Herzens, uns einen Transfer für die letzten 30 km nach Bled zu organisieren. Es ist einfach zu kalt geworden. Dies ist sehr ungewöhnlich für September, aber wir nehmen es, wie es ist. Schon kurze Zeit später sitzen wir in einem Taxi-Transporter und sind froh, als wir endlich in unserem warmen Hotelzimmer angekommen sind. 

Bled liegt wunderschön, von Bergen umgeben an einem See und ist ein sehr beliebter Ferienort u.a. bei Wanderern und Mountainbikern. Hübsche Villen aus der Gründerzeit und eine einladende Seepromenade schmücken den Ort. Die Burg von Bled thront hoch über dem Seeufer auf einem schroffen Felsen. Die Hauptattraktion ist die Insel im See mit der Marienkirche. Ruderboote bringen Touristen dorthin.

Nach einem Spaziergang durch den Ort, kehren wir zum Abendessen in das Restaurant Gostlina Union Bled mit typisch slowenischer Küche ein. Gut gestärkt und wieder schön aufgewärmt, freuen wir uns auf den nächsten Tag!

5.Tag: Zugfahrt durch Slowenien und zurück in Italien (ca. 50 km)

Die Sonne scheint! Wie schön! So können wir bei unserer kurzen Radetappe vom Hotel zum Bahnhof von Bled diesen malerisch gelegenen Ort noch einmal so richtig genießen.

Am Bahnhof werden unsere Fahrräder auf einen Anhänger geladen, der von einem Transporter zu unserem End-Bahnhof Most na Soci fährt. Als der Zug kommt, wird uns schnell klar, warum wir unsere Fahrräder darin nicht mitnehmen konnten. Es ist nur ein kleiner, etwas in die Jahre gekommener Schienenbus. Wir genießen die herrliche Fahrt durch eine wunderschöne Naturlandschaft. Der Nationalpark Triglav ist nicht weit entfernt. Immer wieder geht es durch Tunnel und wir schauen in steile Schluchten.

Nach nur einer Stunde Fahrzeit kommen wir in Most na Soci an. Die Strecke führt wunderschön an den beeindruckenden Schluchten des Isonzo entlang. Das Wasser leuchtet türkisfarben. In Kobarith, dem letzten Ort auf slowenischer Seite decken wir uns noch beim Kaufmann mit ein paar leckeren gefüllten Teigtaschen ein und radeln im herrlichsten Sonnenschein bergab am Isonzo entlang nach Cividale der Friuli in Italien. In die Stadt kommt man über eine alte Steinbrücke, die über den Isonzo direkt in das mittelalterliche Zentrum führt. Das Ensemble von Fluss, Stadt und Brücke bildet ein unwiderstehliches Fotomotiv.

Wir haben es uns zur guten Tradition werden lassen, bei Ankunft erst einmal ein Café aufzusuchen und die Etappe bei einem Kaffee oder auch schon mal einem Glas Wein Revue passieren zu lassen. In Italien ist die Vielzahl an Straßencafés einfach zu einladend und so finden wir natürlich auch in dem kleinen, beschaulichen Cividale schnell etwas Passendes. Das Städtchen lässt sich gut zu Fuß erkunden. Viele winzige Gassen und schiefe Häuser geben ein pittoreskes Bild ab.

6.Tag: Ein lohnender Umweg über Udine (ca. 65 km)

Friaul begrüßt uns heute wieder mit herrlichem Sonnenschein. Wir haben uns entschieden, auf dem Weg in Richtung Gradisca noch einen Abstecher über Udine zu nehmen. Es geht zuerst ganz gemütlich durch kleine Orte, Wiesen und Felder mit einem herrlichen Blick auf die Julischen Alpen.

Nach Udine mit dem Fahrrad hinein zu fahren ist etwas chaotisch. Wenn man aber erst einmal die Altstadt erreicht hat, so radelt es sich ganz entspannt hindurch. Udine beeindruckt mit seinen Palästen, dem Dom und wunderschönen Plätzen wie der von herrschaftlichen Häusern und Cafés umgebenen Piazza San Giacomo. Hier lässt sich einige Zeit verbringen und aus unserer Sicht ist der Abstecher schon den ca. 25 km langen Umweg wert.

Weiter geht es leicht hügelig durch die friulanischen Weinbaugebiete mit herrschaftlichen Gutshäusern. So ein Weingarten ist immer ein schöner Pausenplatz! 

Nach Gradisca ist es nicht mehr weit. Merkwürdigerweise sehen wir unterwegs nicht ein Straßenschild in Richtung Gradisca. Aber wir sind auf dem richtigen Weg und kommen am frühen Nachmittag an. So bleibt noch genügend Zeit, den kleinen Ort mit seinem dominanten Kastell zu erkunden. Abends gibt es – wir sind ja in Italien – Pizza in der Pizzeria Al Leon D‘Oro! 

Hier treffen wir auch andere Radler, die alle unsere Begeisterung für die bisherige Route teilen.

7.Tag: Zwei Highlights zum Abschluss: Die Adria-Küste und Triest (ca. 40 km)

Vom beschaulichen Ort Gradisca geht es zuerst eine längere Steigung hinauf. Dann führen uns wenig befahrene Nebenstraßen durch die herrliche Landschaft des Naturschutzgebietes Doberdó del Lago. Der See muss ganz nah an der Straße liegen, aber zu sehen bekommen wir ihn leider nicht. Die ihn umgebenden Büsche sind einfach zu dicht.

Dann sehen wir plötzlich in der Ferne das Meer! Wow! Was für ein toller Ausblick von hier. Es geht geschwind hinab in Richtung Wasser und zuerst kommen wir zum Castello di Duino, welches hoch über der Meeresküste thront. Wir schauen es uns nur von außen an. Zu groß ist der Drang, bei diesem tollen Wetter weiter am Meer entlang zu radeln.

Kurz geht es noch einmal ins Landesinnere und dann fahren wir immer direkt an der Steilküste entlang. Die Straße ist etwas stärker befahren, aber mit einem breiten Randstreifen, sodass man als Radler kaum in Bedrängnis kommt. Es geht durch Tunnel und immer leicht bergab bis wir zum nächsten Schloss ’Castello di Miramare‘ kommen. Dieses berühmte weiße Schloss mit Blick auf Triest ist natürlich auch ein Magnet für Touristenbusse. Aber im großen Park verläuft es sich dann schon ein wenig. Das in der Sonne leuchtende Schloss so direkt über dem Meer ist halt ein wirklich tolles Foto-Motiv. Und so verbringen wir hier ein wenig Zeit. Vielleicht versuchen wir auch einfach nur den Zeitpunkt, bis wir unsere Radreise beendet haben, noch ein wenig hinauszögern.

Wir sausen hinein nach Triest. Unser Radweg führt uns durch die uralten und zum großen Teil leerstehenden Hafengebäude. Ein riesiges Gelände mit einem ganz eigenen und beeindruckenden Charme.

Schließlich kommen wir direkt an der Promenade von Triest an. Ich hatte keine genaue Vorstellung von der Stadt, aber wir sind beeindruckt von den herrschaftlichen Häusern, Zeugen aus der Zeit der Habsburger Monarchie und als die Stadt noch das größte Handelszentrum an der Adria war.

Triest hat nur einen kleinen, aber sehr schön renovierten Altstadtkern. Aber mit der Meerespromenade und dem Canale Grande hat Triest viel zu bieten und ein Nachmittag ist fast zu kurz, um alles zu erkunden. Auf einem ausgiebigen Stadtsparziergang, auch hinauf zum Kastell von San Giusto mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Stadt bekommen wir einen guten Überblick. Direkt am Canale Grande haben wir Glück und erhalten einen der begehrten Plätze in einem Straßencafé. Es ist Freitagnachmittag und viele Einwohner treffen sich auf ein Glas Wein oder einen Aperol Spritz. 

Auch wir gönnen uns ebenfalls einen uns sagen „Zum Wohl!“ und „Auf eine sehr schöne und erlebnisreiche Fahrradtour!“ 

Zum Ausklang des Tages genießen wir noch den farbenprächtigen Sonnenuntergang über der Adria von einer Hafenmole aus.

8.Tag: Zurück in Toblach

Der Rücktransfer nach Toblach holt uns pünktlich vom Hotel ab. Drei Stunden später sind wir wieder an unserem Ausgangsort und statten dem Bistro der Käserei ‚Drei Zinnen‘ direkt einen Besuch ab. Die Käseplatten dort sind einfach zu lecker! Und wir brauchen auch noch Proviant für die nächsten Tage, in denen wir zum einen nochmal nach Slowenien fahren, um den Teil des Radtour, der ins Wasser gefallen war, anzusehen und zum anderen das Hochpustertal ein wenig mehr erkunden. Mit der Seilbahn auf den Kronplatz, von dem aus man eine herrliche Aussicht hat und dem Messner Mountain Museum einen Besuch abstatten kann. Ausflüge zum Pragser Wildsee oder auch zum Antholzer See können wir jedem empfehlen. 

Fazit:

Die Radtour hat sich absolut gelohnt. So viele verschiedene Landschaften und auch Kulturen in einer Woche mit dem Rad zu entdecken haben wir selten auf 1-wöchigen Touren erlebt.

Die Reise ist sicherlich für Radler, die auch mal abseits der bekannten Routen fahren möchten. Die Strecken sind fast durchweg geteert und verlaufen entweder auf Radwegen oder wenig befahrenen Nebenstraßen. Lediglich nach Udine hinein und vor Triest fahren Sie auch mal auf Straßen mit etwas mehr Verkehr.

Entlang der Drau und der Gail finden Sie eine sehr gute Beschilderung. Die restlichen Strecken sind mit Karten und Beschreibung zu fahren. Da Sie nich überall Strecken mit der Bahn abkürzen können, ist die Tour vor allen Dingen für Radler mit ein wenig Tourenerfahrung zu empfehlen.

 

Wir freuen uns, wenn wir Ihr Interesse an der Reise geweckt haben:

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